Historischer Ortsrundgang in Neuhaus im Solling

Rundgang Neuhaus
 
 

 
Rundgang Neuhaus

Ein liebenswerter Ort: Neuhaus im Solling
Marlies Grebe, Bürgermeisterkandidatin aus Holzminden, hat sich für ihre Erkundungsgänge das Motto gewählt: „Liebenswerte Orte – liebenswerte Stadt“. Auch zu ihrem historischen Rundgang durch Neuhaus hatte sie interessierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen und einen fachkundigen Führer engagiert: Klaus Dannenberg, der als gebürtiger Neuhäuser schon fast eine „lebende Ortsgeschichte“ genannt werden kann.
Trotz des widrigen Wetters – es war kalt und nass – hatte sich eine gute Gruppe neugieriger eingefunden, die entdecken wollte, was Neuhaus so zu bieten hat - oder, besser gesagt: zu bieten hatte. Denn auf dem Rundgang erläuterte Klaus Dannenberg immer wieder die „ehemaligen“ Stätten und Gebäude: Das ehemalige Neue Gestüt etwa, das ja aus einer ganzen Anlage von Gebäuden und Plätzen bestand und noch heute rund um das Haus des Gastes „erforscht“ werden kann. Man brauchte aber schon einen sachkundigen Führer, um die Anlage des Gestüts im ausgehenden 18. Jahrhundert lebendig werden zu lassen. Um 1908 wurde das Gestüt aufgegeben. Als Reiterin hörte es Marlies Grebe mit Freude: Hannoveraner wurden dort gezüchtet und Marlies Grebe nahm schon mit 10 Jahren im Solling an einer der Meutejagden zu Pferde teil.
Ohnehin, so wurde den Besuchern klar, musste das „alte“ Neuhaus als ein Gesamtensemble verstanden werden: Gestüt, Jagd und Schloss, Schule und Grenze – alles bildete eine Einheit. Das ehemalige Jagdschloss – noch heute der Mittelpunkt in Neuhaus – beherbergte die Gestütsverwaltung, war später Forstamt und wird heute im Privatbesitz der Familie Müller an eine Firma der Aromaforschung vermietet. Staunend besichtigten die Besucher das liebevoll wieder hergerichtete Backhaus, in dem es bald wieder nach frisch gebackenem Brot riechen soll. Vorbei an der ehemaligen Molkerei, dem Wasch- und Feuerwehrgerätehaus, dem Wiegehaus, dem ehemaligen Witwenhaus, das heute Pfarrhaus ist, und dem Meierbrunnen, der damaligen einzigen Trinkwasserschöpfstelle, ging es zur „Landesgrenze“. Sicherlich wussten das nicht alle Teilnehmer so genau: Mitten durch Neuhaus ging die Grenze zwischen Braunschweig und Preußen (Provinz Hannover). Es gab zwei Kirchen, zwei Friedhöfe, zwei Schulen. Sogar das Vieh wurde „gestrennt“ und „gemocht“ haben sich die Nachbarn nie. Auf der Straße musste man Zoll entrichten und erst 1961 wurde durch den Niedersächsischen Landtag das „Neuhaus-Gesetz“ verabschiedet, das Neuhaus einte und dem Landkreis Holzminden zuordnete.
Der Rundgang endete am ehemaligen Steigerhaus am Wildenkiel, wo bis 1777 noch Erz abgebaut wurde und die Becker-Hütte Glas produzierte.
Marlies Grebe dankte Klaus Dannenberg für den informativen Ortsrundgang, der manchem Besucher den Sollingort Neuhaus näher gebracht haben dürfte. Bei einer wärmenden Tasse Kaffee bleiben noch viele Eindrücke im Gespräch lebendig.